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Krimmler Montessori-Tage 2011 |
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Die nächsten Krimmler Montessori-Tage - übrigens die zehnten(!) - finden in der Zeit zwischen dem 2. Juni (Chr. Himmelfahrt) und 4. Juni 2011 statt.
Thema: "Verantwortung für d(ie) eine Welt"
Voranmeldungen: info@krimml.at
9. Krimmler Montessoritage 2009
„Kreativität macht Schule“
Christine Rammesmayer und Clemens Bernhardt
Dr. Herbert Haberl, langjähriger Obmann von Montessori Österreich, begrüßte die Gäste und stellte die Vortragenden vor. Karin Dorner, Mit-Organisatorin dieser Montessori-Tage des Montessori Österreich Bundesverbandes , bezeichnete die namhafte Liste der Vortragenden als Gütesiegel für diese Veranstaltung und dankte auch dem Amtsführenden Präsidenten des LSR Salzburg, Mag.Herbert Gimpel und dem Bürgermeister von Krimml, Mag. Erich Czerny, die zur Eröffnung der 9.Krimmler Montessori-Tage erschienen waren und ihre Wertschätzung in den Begrüßungsworten zum Ausdruck brachten.
In seinem Eröffnungsvortrag „Ästhetisches Lernen - ein Montessori-Konzept sucht seinen Weg“ begrüßte Prof. Dr. Horst Klaus Berg
einleitend den Geist der Montessorianer hier in Österreich. Hier sei der Spielraum durch weniger Vorschriften offensichtlich größer, das sei in der Stimmung der PädagogInnen spürbar: „In Österreich herrscht ein Atem der Freiheit und der Freude unter den Montessorianern“. Als Stiefkinder bei Montessori seien die religiöse Erziehung und die ästhetische Erziehung bis heute zu betrachten. Das zeige sich auch sehr deutlich im Material-angebot.
Ein Fehlen von Materialien besonders im ästhetischen Bereich sei schon zu Lebzeiten Montessoris festzustellen gewesen; dies spiegle sich daher auch in der Literatur wieder. Auch Schulz Benesch habe diese Lücke erkannt und dazu aufgerufen, diese Lücke auszufüllen. Die Leistung der PädagogInnen von heute liege also darin, die religiöse, die ästhetische als auch die kosmische Erziehung für die Gegenwart zu transformieren. Das Ziel bleibe aber das Ursprüngliche: Wenn das Kind Schöpfer seiner selbst ist, wie können wir es auf diesem Weg unterstützen, aufbauend auf seine grundgelegten Potentialitäten und Gestaltungsnebulae (bildende Kunst, Musik, Sprache, Körpersprache)?
Für die ästhetische Erziehung stellt Berg am Beispiel der Kunsterfahrung folgende Thesen auf:
1. Kunsterfahrung ist zuallererst Wahrnehmungsförderung.
2. Kunsterfahrung als freies Lernen, in einem offenen Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozess. Lernen, dass Kunst nie eindeutig ist, sondern immer unterschiedliche Botschaften beinhaltet.
(Klaus Horst Berg zeigte dazu Beispiele aus der Malerei, die mehrere Interpretationssmöglichkeiten zulassen.)
3. Kunsterfahrung als „aufschlussreiches Lernen“, als ein Schlüssel zur Welt.
4. Kunsterfahrung als Lernen in freier Kommunikation (Sprechen über unterschiedliche Sichtweisen, Austausch der Wahrnehmungen)
Statt der nächsten Vortragenden betritt nun etwas überraschend ein junger Trompeter (Florian Wiedner) die Bühne, um heroldartig mit der Arie von Joann Sebastian Bach „Bist du bei mir?“etwas anzukündigen, das nicht aus dem Programm ersichtlich ist: Montessori Österreich hat einen Obmann ohne Diplom! Die 9. Krimmler Montessori-Tagesind ein wunderbarer Anlass und Rahmen, diesen Umstand vor Publikum zu ändern: Dr. Herbert Haberl wird das Ehrendiplom von Montessori Österreich für langjährige verdienstvolle Tätigkeit an der Spitze überreicht.
Im nachfolgenden Vortrag „Sinn-Orientierung und persönlichesWert-Erleben in Schule und Unterricht“ befasst
sich Dipl.Päd. BSI in R. Elisabeth Kunz mit den Erfordernissen und Anforderungen an den gegenwärtigen Schulunterricht: „Die Sehnsucht nach Sinn- und Wert-Erleben hat eine Auswirkung auf den Leistungswillen und das Verhalten der Kinder. Schule soll Kinder mit Prinzipien gelingenden Lebens ausstatten, den ganzen Lebensbogen betreffend. Ohne Anbindung an den Sinn sinken Lernfreude und Leistungsbereitschaft.
Der zweite Tag des Symposions war vollgefüllt mit vertiefenden und sehr aktiven Workshops.
So konnten z.B. einige TeilnehmerInnen sich in ihrer theatralischen Ausdruckskraft mit Andreas Neusser erproben.
Andere waren mit Materialherstellung beschäftigt oder sind „ins musikalische Spiel gesprungen“ und haben somit das kreative Feld des Musiktheaters erfahren. Manche ließen sich auf "Rechtschreibwolken" dahingleiten oder entspannten sich mit Maria Martin.
Insgesamt wurden 20 Workshops angeboten. Die Wahl fiel schwer!
Erwähnenswert ist ebenfalls die Tatsache, dass die „Krimmler Montessoritage“ wohl der einzige Kongress mit einem tollen Kinder-Rahmenprogramm sind. Es war einfach herrlich, die strahlenden Gesichter der Kinder zu sehen. Neue Freundschaften wurden geschlossen, und eine Gruppe unterhielt beim Montessorifest für Jung und Alt mit dem Musiker Max Steiner die Anwesenden mit
einem afrikanischen Märchen. Was mit kräftigem Applaus honoriert wurde!
Univ. Doz. Dr. Arnulf Hartl berichtete in seinem Vortrag „Heilkraft von Wasserfällen“ von der letztjährigen Untersuchung über die Heilkraft von Wasserfällen. Dabei wurde eine besondere Heilkraft des Krimmler Wasserfalls für an allergischem Asthma erkrankten Menschen bewiesen. Dieser zertifizierte Gesundheitserfolg stellt natürlich an die gesamte Region eine neue Herausforderung und Möglichkeit einer gesundheitstouristischen Belebung. Weitere Informationen dazu und über „Alpine Wasserfall-Asthmacamps“ für Kinder auf
www.splash-camp-krimml.at.
Die großartige Montessorianerin Lore Anderlik ließ die Besucher ihres Vortrags „Montessori-Therapeutisches Arbeitenmit Kreativität“ am reichen Erfahrungsschatz aus ihrer langjährigen Tätigkeit mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen teilhaben. In ihrer Arbeit stellt sie sich immer wieder die Frage: Was können Eltern zuhause kreativ mit ihren Kindern machen? Pädagogen müssen Eltern Hilfe geben und sie müssen sich dabei auf die Kultur der Familie einstellen.
Dazu bedarf es sehr vieler Kreativität.
Schon zu Beginn stellte sie die Frage: Warum können Kinder mit Down-Syndrom nicht folgen?
Kinder lernen durch die Rückmeldung der Bezugspersonen. Da Down-Syndrom Kinder eine verspätete Entwicklung aufweisen, senden Erwachsene oft falsche Botschaften.
Beispiel: Ein gesundes Kind wird von der Mutter gestillt. Das Kind greift nach den Haaren der Mutter, packt aber nicht fest zu. Bei einem Down-Syndrom Kind passiert diese Entwicklung um Monate später. Das Kind ist aber größer und stärker und hält die Haare sehr fest, was der Mutter weh tut. Die Mutter aber antwortet freundlich und sendet somit dem Kind eine falsche Botschaft. Hier sieht Lore Anderlik den Anfang des Nichtfolgens.
„Wer ein Warum kennt, erträgt fast jedes Wie.“ (Viktor Frankl)
„Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen für ein Kind - das ganze Leben lang!“ (Lore Anderlik)
Während der Schwangerschaft imaginieren Eltern ihr Wunschkind. Kommt ein Kind zur Welt, das nicht diesen Vorstellungen entspricht - Schock. Mit Hilfe des Trauermodells hilft die Therapeutin den Eltern eine berechtigte Trauer um das Wunschkind zuzulassen. Das geborene Kind soll nicht mit dem Tränenschleier konfrontiert werden. Erst danach kann die pädagogische Intervention
beginnen. Dabei ist es wichtig aufzuzeigen, was das Kind alles kann. Material muss verändert werden, so dass ein beeinträchtigtes Kind gleiche Erfahrungen machen kann. Gesunde Kinder zeigen was sie brauchen. Da beeinträchtigte Kinder aber kaum Aktionen setzen, erfahren sie auch wenig Reaktion. Bezugspersonen erkennen den wirklichen Wunsch nicht, rasch wird Ungehorsam oder Unverständnis vermutet. Zum Ende ihres berührenden Vortrages stellte sie 2 Fragen an das Publikum:
„Wie gehen wir mit Kindern um? Was erwarten wir von Kindern?“
Kinder mit Besonderheiten wollen das Gleiche und wir müssen ihnen die Möglichkeit geben. Dabei ist das Abschauen, wie es andere machen, von großer Bedeutung. Um das zu ermöglichen, ist Inklusion an unseren Schulen unbedingt nötig.
Im Schlussvortrag „Kreativität - Sein oder Schein in der Montessori-Pädagogik” stellte Axel Winkler-Holtz gewohnt klar
seine Grundsätze zur Montessori-Pädagogik dar:
1. Wir brauchen nicht nur gute Materialien, sondern eine gründliche Nachdenklichkeit. (Ausbalancierung von Theorie und Praxis)
2. Montessori-Pädagogik ist keine Einheitspädagogik, sondern eine unter bestimmten Prinzipien arbeitende plurale Pädagogik.
3. Der Maßstab ist nicht eine pädagogisch-didaktische Festlegung, sondern das Entwicklungs-bedürfnis eines jeden einzelnen Kindes.
4. Der äußere Dialog. Montessori-Pädagogik muss stets den Dialog mit der Forschung und anderen Pädagogiken suchen. Der Blick über den Zaun muss kultiviert werden.
Der Begriff der Kreativität begegne uns an jeder Ecke. Wenn Montessori vom kreativen Kind spreche, dann habe sie kein Konzept eines Kreativitätsbegriffes, sondern sie meine mit Kreativität die Aufbauleistung des Kindes zur eigenen Persönlichkeit.
Mit dem Begriff der Kreativität tauchten untrennbar immer wieder die Begriffe „Spiel“ und „Fantasie“ auf. Beide seien keine Schlagwörter aus der Montessori-Pädagogik.
Am Beispiel der Sprache zeigte Winkler-Holtz, dass Kinder immer in 2 Welten Leben, in Realität und Fantasie. Kinder wechselten beliebig zwischen diesen beiden Welten hin und her. Die Fantasie zeige sich januskopfartig in einer gestaltenden Fantasie und einer Fantasie, die gefährdend für die Entwicklung des Kindes sei, weil sie von der Vorstellung zur realen Welt immer weiter weg führe. Fantasie müsse nicht zwangsläufig sinnvoll sein, sie darf auch sinnfrei sein. Montessoris Leistung sei, dass der Begriff der Freiheit bei Montessori endlich Wirklichkeit wurde. Diese Freiheit müsse über die Grenzen einer vorbereiteten Umgebung hinausgehen, stets neu ersonnen, gesucht und ausprobiert werden.
Dass Montessori eben nicht alles bis ins Letzte durchdacht habe, sei als menschlich zu werten.
3 Tage Krimmler Montessoritage 2009 - ein großer Erfolg!
Ein herzliches Dankeschön allen sichtbaren und im Hintergrund Arbeitenden, die alle zum tollen Gelingen beigetragen
haben.
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